Rote Gewerkschaftsinternationale Historische Dokumente


Auf Beschluss des Exekutivkomitees der Komintern/ML vom 1. Mai 2003 wird dieses Dokument für den derzeitigen ökonomischen und sozialen Kampf der Arbeiter in der ganzen Welt, insbesondere den ihr angeschlossenen Sektionen als Anleitung und Hilfe empfohlen:









Konferenz zum Studium der Lehren der Wirtschaftskämpfe, einberufen vom Vollzugsbüro der RGI, abgehalten in Straßburg Ende Januar 1929



RESOLUTION

der Straßburger Konferenz

über Fragen der Streiktaktik

in der heutigen Periode





Einleitung

Die großen wirtschaftlichen Zusammenstöße und Kämpfe, die seit dem IV. Kongress der RGI in mehreren Ländern, so in Deutschland, Polen Frankreich, Griechenland u.a.m., stattfanden und Hunderttausende von Arbeitern umfasst haben, waren eine vollkommene unzweifelhafte Bestätigung für die Richtigkeit der vom Kongress ausgegangenen wirtschaftlichen und politischen Analyse und ebenso für die von ihm vorgezeichnete Streiktaktik und –strategie.

Von Anfang an und in einigen Fällen auch in ihrem Entwicklungsprozess hatten diese Streikkämpfe und Aussperrungen erstens einen Massencharakter und trugen ein politisches Gepräge, und zeigten zweitens unzweifelhaft Elemente des Angriffs und Gegenangriffs von seiten der Arbeitermassen.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir im Zusammenhang mit der fortschreitenden Rationalisierung, der Offensive des Kapitals und der zunehmenden Aktivität der Arbweitermassen am Anfang einer ansteigenden Welle politischer und wirtschaftlicher Zusammenstöße zwischen Arbeit und Kapital stehen, und dass nur die wirklich revolutionäre Führung dieser Kämpfe dem Ringen zum Erfolg verhelfen kann. Dieser Umstand verpflichtet die RGI- Anhänger, alles daranzusetzen, um den reformistischen Verrätern die Kampfführung zu entreißen und die selbständige Führung der Wirtschaftskämpfe zu übernehmen.

Unter den unzähligen großen und komplizierten Schwierigkeiten, die die revolutionären Gewerkschaften und die RGI - Anhänger innerhalb der reformistischen Verbände zu überwinden haben, sind die opportunistischen Abweichungen und Tendenzen als Resultat der Einwirkung der Reformisten auf die am wenigsten standhaften Elemente in unseren Reihen unzweifelhaft die ernstesten. Diese opportunistischen Abweichungen und Tendenzen sind:

- gewerkschaftlicher Legalismus ( die Angst vor der Überschreitung der statutmäßigen Bestimmungen, die Unterwerfung unter die Verfügungen der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie usw.)

- das Nachhinken hinter den Massen

- die Unterschätzung ihrer Kampffähigkeit

- und das mangelhafte Verständnis des Zusammenhanges zwischen wirtschaftlichen und politischen Kämpfen.

Besonders krass sind diese opportunistischen Fehler während der großen Wirtschaftskämpfe zu Tage getreten. Diese Kämpfe erfordern eine große Kampfspannung, viel Ausdauer, Elastizität und Verständnis, um die vom IV. Kongress festgesetzte revolutionäre Taktik in die Tat umzusetzen. Alle Abweichungen und Schwankungen in unseren Reihen müssen bereits in allernächster Zeit entschlossen und energisch überwunden werden.

Eine der größten Schwächen in der Arbeit der revolutionären Gewerkschaften und der Gewerkschaftsopposition ist das ungenügende Studium der Kampferfahrungen. Die Streikwelle, auch die der letzten Monate, liefert ein reichhaltiges Material, das in den kommenden Kämpfen verwertet werden muss.

Der Kampf um die selbständige Führung der Wirtschaftskämpfe bei einem systematischen Streikbruch seitens des reformistischen Gewerkschaftsapparates wird von Tag zu Tag immer mehr zu einer allgemeinen Erscheinung, aber die Formen und Methoden dieses Kampfes wechseln

- je nach dem Land

- unter den Besonderheiten der betreffenden Industrie,

- nach dem Kräfteverhältnis in der Arbeiterklasse usw.

Wie ist der Kampf zu führen?

Welche Organe sind zur Vorbereitung und Durchführung der Kämpfe zu schaffen?

Wie sind die Vorstöße der Unternehmer und Reformisten im Prozess des Kampfes abzuwehren?

Wie kann man die gesamte Arbeiterklasse zur Unterstützung der im Kampfe stehenden Gruppen mobilisieren?

Das sind die Fragen, vor die sich jeder Teilnehmer und Führer der modernen Wirtschaftskonflikte gestellt sieht. Und hier sind die Erfahrungen von Lodz, von Deutschland und Frankreich von großem Nutzen, die Erfahrungen der französischen Kämpfe können in Deutschland, die Erfahrungen der deutschen Arbeiter in anderen Ländern verwertet werden. Die revolutionären Gewerkschaften und die revolutionären Oppositionen kümmern sich zu wenig darum, was in den Wirtschaftskonflikten geleistet wurde und wie die Arbeit geleistet wurde. Sie arbeiten oft nach einer Schablone und improvisieren selbst in denjenigen Fällen, wo der Vorteil der einen oder anderen Kampfmethode bereits durch die Erfahrungen bewiesen ist.

Die Anhänger der RGI haben die Aufgabe, jeden Wirtschaftskonflikt eingehend zu studieren, die auftretenden Schwierigkeiten festzustellen und den Weg zu ihrer Überwindung zu finden. Alle auftretenden Schwächen und Mängel müssen unvoreingenommen bewertet werden. Nur auf Grund eines eingehenden Studiums der positiven und negativen Erfahrungen in den vergangenen Wirtschaftskämpfen können ernste Fortschritte in der Ertüchtigung unserer eigenen Reihen und in der Vorbereitung der gesamten Arbeiterklasse zu den kommenden Klassenkämpfen zwischen Kapital und Arbeit erzielt werden.



I. Vorbereitung der Massen zu Streiks und Aussperrungen

Die Erfahrungen der letzten Streiks in Frankreich, Deutschland und Polen haben gezeigt, dass die Vorbereitung unzulänglich war. Damit die Arbeiterschaft nicht übererrumpelt werden kann, müssen die Gewerkschaftsopposition und die selbständigen revolutionären Verbände ihre Arbeit in folgender Richtung führen:

1. Die Tagesarbeit der revolutionären Verbände und der Gewerkschaftsopposition in jedem Produktionszweig hat zur Aufgabe, die Arbeiterschaft für die bevorstehenden Zusammenstöße zwischen Arbeit und Kapital vorzubereiten.

2. Beim ersten Anzeichen einer steigenden Unzufriedenheit der Arbeiter oder aggressiver Absichten der Unternehmer gegen die Arbeiter muss vor die Arbeiter der betreffenden Betriebe die Frage gestellt werden, dass ein Zusammenstoß im Anzug ist.

3. Die agitatorische und organisatorische Vorarbeit muss unter den Losungen:

„Erwartet nichts von den reformistischen Führern, sie werden euch verraten“,

„Nehmt euer Schicksal selbst in eure eigenen Hände“,

„Bereitet euch zum Kampf vor, sonst werdet ihr geschlagen“

geführt werden. Bei dieser Agitation sind alle konkreten Fälle von Verrätereien der Gewerkschaftsbürokratie bei den letzten Wirtschafkräften auszunutzen.

4. Schon während dieser Vorbereitungsperiode ist es notwendig, in Versammlungen und durch mündliche Aussprache und Beeinflussung jene Elemente aus den Kreisen der parteilosen, der anarchosyndikalistischen, der reformistischen und christlichen Arbeiter zu ermitteln, die zur Beteiligung am Kampf gegen die Unternehmer auf Grund unserer selbständigen, von der Gewerkschaftsbürokratie unabhängigen Taktik herangezogen werden können und bereit sind, sich zusammen mit den revolutionären Arbeitern an den Organen der Vorbereitung und Führung des Kampfes zu beteiligen.

5. Die ökonomischen Forderungen müssen klar und dem Verständnis der Massen angepasst sein, müssen aus der betreffenden konkreten Situation resultieren, müssen von sämtlichen interessierten Arbeitern beraten werden, damit die Forderung die Mehrzahl der Arbeiter für sich gewinnen und zur Grundlage für eine Einheitsfront von unten her und für eine Einheit der Aktion werden können.

6. Von großer Bedeutung können in der Vorbereitungsperiode Konferenzen von Vertretern der Betriebe oder Konferenzen der Betriebsräte sein, unter den Bedingungen jedoch, dass die letzteren nicht unter dem Einfluss der Reformisten stehen und keine Organe der Arbeitsgemeinschaft der Klassen sind.

7. Die revolutionären Verbände und die Gewerkschaftsopposition müssen die Arbeit aller Organe hinsichtlich ihrer Verbindungen mit der Arbeitermasse in den entsprechenden Betrieben ständig aufs sorgfältigste überwachen und ganz besonders alle Erscheinungen von Bürokratismus oder der Loslösung von den Massen aufs entschiedenste bekämpfen, die ein Hemmnis sind, um auf die in den Massen vorgehenden Geschehnisse rasch zu reagieren.

8. Die revolutionären Verbände und Gewerkschaftsopposition müssen die gesamten Vorarbeiten so führen, dass die Notwendigkeit der Schaffung von Kampforganen zur Leitung des Kampfes von unten von den einfachen Arbeitern eingesehen wird, von ihnen ausgeht und zum Gegenstand der Erörterung in sämtlichen Betrieben wird.

9. Droht eine Aussperrung, so ist die Losung der Schaffung von Kampfleitungen zur Bekämpfung der Aussperrung und zur Durchsetzung der Arbeiterforderungen auszugeben, die in den Betrieben von der Gesamtbelegschaft, ohne Unterschied der Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit, einerlei ob sie organisiert oder unorganisiert sind, gewählt werden.

10. Im Falle einer für den Streik günstigen Situation und des Vorhandenseins einer Kampfstimmung unter den Massen ist die Schaffung der von der Gesamtbelegschaft gewählten Streikleitung in den Vordergrund zu rücken ( auch wenn der Streik von einer revolutionären Gewerkschaft geführt wird). An diesen Wahlen müssen die Arbeiter aller Richtungen, und zwar sowohl die organisierten als auch die unorganisierten, teilnehmen.

11. Gleichzeitig muss in den Massen eine erbitterte Agitation und Propaganda betrieben werden gegen die Einsetzung von Streikleitungen von oben und gegen die Versuche der Gewerkschaftsbürokratie, derartige Komitees mit der Leitung von Konflikten zu betrauen.

12. Die Vorbereitung der Arbeitermassen zum Kampf muss durch Wort und Schrift erfolgen. In dieser Beziehung fällt der Gewerkschafts- und Parteipresse eine besonders ernste Aufgabe zu. Wünschenswert ist die Herausgabe von Flugschriften, von Sonderbeilagen zu den Presseorganen, von Betriebszeitungen usw., die sich speziell mit dem drohenden Konflikt befassen.

13. Das Gefährlichste bei Wirtschaftskämpfen ist jede Improvisierung und Streikaufforderung unter der Einwirkung des Gefühls und nicht der kühlen Berechnung. Es ist nicht nur erforderlich, dass die Leiter den betreffenden Industriezweig genau kennen, sondern sie müssen auch besonders darüber informiert sein, was in den Massen vor sich geht. Die Aufgabe besteht darin, nicht zu spät einzugreifen, nicht hinter den Massen einherzutrotten, die Kampfbereitschaft der Massen zu erfassen, aber auch keinen Streik zu diskreditieren ohne vorhergehende ernste Vorbereitung der Massen zum Kampf.

14. Von besonderer Wichtigkeit ist die Wahl des richtigen Zeitpunktes zur Proklamierung des Streiks. Hier sind die Erfahrungen von Lodz (hinsichtlich der glücklichen Wahl des Zeitpunktes) unbedingt in Betracht zu ziehen. Die Wahl des ungeeigneten Zeitpunktes kann den ungünstigen Ausgang des Konflikts im Voraus bestimmen. Aus diesem Grunde muss der Streikbeginn auf einen für die Arbeiter günstigen Zeitpunkt gelegt werden, dessen Wahl von der Situation ( wirtschaftliche und politische Situation), von Zeit und Ort, vom Kräfteverhältnis, von der Politik der Unternehmer usw. abhängt.

15. In der Vorbereitungsphase muss man die Frage des Fonds für Streikende und Ausgesperrte stellen, besonders in den Ländern und Gewerkschaften, wo Streikfonds nicht existieren. Wenn es unrichtig ist, zu hoffen, dass die Arbeiter mit Hilfe des Geldes in den Kassen ihrer Gewerkschaften die Unternehmer besiegen können, so ist es auch unrichtig, sich der Hilfe für Streikende und Ausgesperrte erst dann zu erinnern (Frankreich), wenn der Kampf schon begonnen ist.



II. Formen, Charakter und Funktionen der Kampforganen

Die gesamte Vorarbeit ist dazu da, um den interessierten Massen die Notwendigkeit des organisatorisch vorbereiteten Kampfes klarzumachen. Dies bedeutet soviel, dass wir den Gedanken der Ausschüsse zur Bekämpfung der Aussperrung, der Streikleitungen und der besonderen Kommissionen zur Führung des Kampfes in die Massen tragen müssen. Es ist notwendig, im Fall einer drohenden Aussperrung zur Wahl von Ausschüssen zur Bekämpfung der Aussperrung und mehrere Tage vor der Proklamierung eines Streiks zur Wahl von Streikleitungen zu schreiten.

An die Wahl der Streikleitungen bzw. Kampfleitungen gegen Aussperrung ist mehrere Tage vor der Verhängung der Aussperrung bzw. der Proklamierung des Streiks heranzutreten. Falls die Aussperrung plötzlich verhängt wird oder der Streik unerwartet ausbricht und die Wahl der Ausschüsse bzw. Leitungen nicht rechtzeitig stattfinden kann, muss man sofort zu Beginn des Streiks oder der Aussperrung, noch bevor die Belegschaft den Betrieb verlassen hat, eine Betriebsversammlung (Betriebsabteilungsversammlungen) veranstalten, in der nach entsprechender Agitation die Wahl einer Leitung zu beantragen und zu diesem Zweck eine vorher aufgestellte Liste aus revolutionären, anarchosyndikalistischen, reformistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern vorzulegen ist.

Für die Zusammensetzung der Streikleitungen ist es ganz besonders wichtig, dass diese Streikleitungen in den Betrieben und sogar in den größeren Betriebsabteilungen gewählt werden, damit sie eine umfassende Vertretung aller Arbeiterkategorien und –gruppen bilden, wie z.B. die Fabrikdelegationen in Lodz.

Der Wahlmodus richtet sich nach der Größe des Konflikts und des Betriebes. Je größer die Streikleitungen sein werden, um so leichter ist es für sie, die gesamte Masse zu leiten.

In kleineren Betrieben kann ein Mitglied der Streikleitung auf je 25 bis 50 Arbeiter, in größeren auf je 100 bis 200 gewählt werden. In Großbetrieben, wo Zehntausende von Arbeitern beschäftigt sind, sollen die Streikleitungen aus 200 bis 300 Personen bestehen, damit die Streikleitungen durch gewählte Mitglieder mit allen Betriebsabteilungen in direkter Beziehung stehen.

Eine so große Streikleitung muss ein eigenes Vollzugsorgan wählen, dessen Aufgaben darin bestehen, alle Mitglieder des Komitees regelmäßig zu versammeln, vor ihnen Rechenschaft abzulegen, sie zu informieren und durch sie die Verbindung mit den Streikenden aufrechtzuerhalten, wobei jedem Mitglied der Streikleitung bestimmte Pflichten aufzuerlegen sind.



Was die Funktionen der Streikleitung und ihre Aufgaben betrifft, so ist hier folgendes anzustreben:

1. Die Streikleitung hat zur Aufgabe, mit allen Mitteln den Kampf um die Verwirklichung der von den Arbeitern gestellten Forderungen zu führen; der Erfolg des Kampfes wird davon abhängen, inwieweit es der Streikleitung gelingen wird, den Einfluss des reformistischen Gewerkschaftsapparates aus dem Betrieb zu verdrängen und die Leitung des Streiks seinen Händen zu entreißen.

2. Die Streikleitung muss den Kampf führen, in Verhandlungen eintreten, eventuell Abkommen unterzeichnen, wobei von vornherein zu erklären ist, dass alle von der reformistischen Bürokratie hinter dem Rücken der Kämpfenden abgeschlossenen Abmachungen für die Arbeiterschaft nicht verbindlich sind.

3. Die Streikleitung muss die Tätigkeit der Gewerkschaftsbürokratie aufmerksam verfolgen, im Fall von Verhandlungen und Machinationen hinter den Kulissen Demonstrationen vor dem Verbandshaus veranstalten, Versammlungen der Organisierten und Unorganisierten einberufen, die Absetzung der reaktionären Gewerkschaftsbürokratie verlangen, Geld sammeln und allen Streikenden zur Hilfe kommen und das Vertrauen besonders der Massen sozialdemokratischer und christlicher Arbeiter zu dem reformistischen bzw. christlichen Gewerkschaftsapparat systematisch untergraben.

4. Die Streikleitung muss zu einer mächtigen Waffe in den Händen der Gewerkschaftsopposition werden, um alle Agenten des Kapitals und Verbündete der Unternehmer aus den Verbänden zu entfernen.

5. Die Streikleitung muss die Betriebsräte zur Beteiligung am Kampf heranziehen; falls jedoch diese der Gewerkschaftsbürokratie folgen, muss gegen sie ein ebenso erbitterter Kampf geführt werden, wie gegen die Gewerkschaftsbürokratie.

6. Die Streikleitung hat zur Hauptaufgabe, nicht allein die Aufmerksamkeit der Massen auf die bei unserem Kampf aufgestellten Losungen zu konzentrieren, sondern auch, was ganz besonders wichtig ist, die ursprünglichen Losungen zu ergänzen und zu erweitern und neue, auch politische Parolen auszugeben, je nach der entstandenen Situation und den veränderten Verhältnissen, ohne die Initiative je ihren Händen entgleiten zu lassen.

7. Eine Streikleitung kann und darf sich nicht auf den Standpunkt „Alles oder Nichts!“ stellen. Die Streikleitung muss im Verlauf des Kampfes das Kräfteverhältnis richtig einschätzen und zu manövrieren verstehen (natürlich nicht im Sinne von Spitzenkombinationen). Mangelnde Elastizität steht im Widerspruch zu den gesamten Erfahrungen des revolutionären Klassenkampfes.

8. Zur richtigen Leitung eines Streiks oder einer Aussperrung müssen die Aussperrungsausschüsse oder Streikleitungen alle vom Konflikt betroffenen Arbeiter vereinigen. Im Falle größerer Aussperrungen oder Streiks, die eine ganze Reihe von Betrieben eines größeren Bezirks oder eines ganzen Industriezweiges erfassen, ist eine Zentralstreikleitung auf Grund einer Vertretung der lokalen Streikleitungen zu schaffen.

9. Die auf demokratischem Wege gewählte Streikleitung bzw. der Aussperrungsausschuss muss zur erfolgreichen Durchführung des begonnenen Kampfes die strengste innere Disziplin einführen.

10. Werden Kampfleitungen gegen die Aussperrungen, Streikleitungen und sonstige Kampforgane für den bevorstehenden Kampf gewählt, so ist anzustreben, dass ein besonderer Beschluss über das Recht der Abberufung derjenigen Mitglieder dieser Organe gefasst wird, die den ihnen auferlegten Aufgaben zur energischsten Durchführung des Kampfes nicht nachkommen und hierdurch dem Willen ihrer Wähler zuwiderhandeln.

11. Die Kampfleitungen gegen die Aussperrungen, Streikleitungen und sonstigen Kampforgane haben nicht nur für eine regelmäßige Registrierung aller vom Konflikt betroffenen Arbeiter Sorge zu tragen, sondern müssen auch die Kontrollstellen zur regelmäßigen Arbeit veranlassen, damit die Verbindungen gefestigt werden und eine möglichst große Anzahl von Arbeitern aktiv in den Kampf einbezogen wird.

12. Die Streikleitungen müssen enge Verbindungen zwischen den streikenden Arbeitern und den Erwerbslosenmassen aufrechterhalten, um der Möglichkeit der Ausnutzung der Arbeitslosen für die Abwürgung des ökonomischen Kampfes vorzubeugen.





III. Unsere Taktik in den demokratisch gewählten Streikleitungen

Die Streikleitung besteht notwendigerweise als ein von der gesamten Masse gewähltes Organ aus Arbeitern verschiedener Richtungen. Im Anfangsstadium des Kampfes können die Anhänger der RGI auch in der Minderheit sein. In solchen Fällen müssen die revolutionären Arbeiter größte Umsicht, Takt und Verständnis an den Tag legen, um die Mehrheit für die revolutionäre Taktik zu gewinnen. Vor allem müssen die Anhänger der RGI, die diszipliniertesten und selbstlosesten Mitglieder der Streikleitung in allen den Fällen sein, wo es sich um eine Verschärfung und Erweiterung des Kampfes handelt. Sie müssen in allen Sitzungen der Streikleitung die Unentschlossenheit, die Schwankungen und Abweichungen ständig kritisieren und die Machenschaften der reformistischen und christlichen Wortführer entlarven. Machen sich in der Streikleitung Schwankungen bemerkbar, so müssen die Anhänger der RGI verlangen, dass die Frage der Fortsetzung des Kampfes den Massenversammlungen der Arbeiterschaft zur Beschlussfassung vorgelegt wird. Wird diese Forderung abgelehnt, so ist unter den Massen eine Neuwahl der Streikleitung und die Wahl von entschlosseneren und zäheren Führern anzuregen. Tritt die revolutionäre Minderheit aus der Streikleitung, die unter den Einfluss der Reformisten geraten ist, aus, so appeliert die Minderheit an die Massen und organisiert die Wahl einer neuen Streikleitung, um den Kampf weiterzuführen. In äußersten Fällen kann und muss der revolutionäre Flügel aus der Streikleitung austreten, falls die Mehrheit dem Einfluss der Reformisten unterliegt und den Streik abwürgt, während unter den Massen die Bereitschaft zur Fortsetzung des Kampfes überwiegt. Die Anhänger der RGI müssen eine Kontrolle der Massen über die Tätigkeit und das Verhalten der Streikleitung einrichten und mit aller Entschiedenheit dagegen ankämpfen, dass die Streikleitung zu einem Hilfsorgan des Verbandes degradiert wird, wie es im Norden Frankreichs geschah, selbst wenn dieser Verband ein revolutionärer ist. Es ist die wichtigste Aufgabe der Anhänger der RGI, in der Frage der Streikleitungen, ihre besten und energischsten Funktionäre auf demokratischem Wege in diese Organe hineinzuwählen und durch ihre energische, mustergültige und im Klassengeist geführte Arbeit eine leitende Stellung in ihnen zu gewinnen, innerhalb dieser Ausschüsse und Leitungen stets organisiert vorzugehen, ohne sich auch nur einen Augenblick lang von den Massen, die sie gewählt haben, loszulösen, stets auf das Vertrauen der Massen gestützt und die Arbeiter aller Richtungen mit sich fortreißend. Aufgabe der Anhänger der RGI ist es, das Vertrauen der Massen zu diesen Klassenorganen zu festigen und die Massen mittels der nichtparteiischen Streikleitungen und Kampfleitungen gegen Aussperrung tatsächlich zu leiten.



IV. Führen und nicht kommandieren !

Ein Streik oder eine Aussperrung , die breite Massen in Bewegung setzt, schafft eine günstige Situation für die Erweiterung des Einflusses des revolutionären Flügels der Arbeiterbewegung. Dieser Einfluss kann jedoch nur dann zunehmen, wenn die leitenden Elemente besonders Fühlung mit den Massen gewinnen und gesunde Beziehungen zwischen der Streikleitung und die Streikenden herbeiführen. Die Streikleitung muss verstehen, die Verbindung mit den Massen auch nicht für einen Augenblick lang zu verlieren. Sie muss Wert legen auf ständige Berichterstattung und bedacht sein, ihre Mitglieder durch neue tatkräftige und energische Personen zu ergänzen und ihre Arbeit so zu führen, dass jeder Arbeiter sie kontrollieren kann. Besonders gefährlich ist es in solchen Fällen, wo die Streikleitung gegenüber den Streikenden einen Kommando-Ton anschlägt, wenn sie aus eigener Befugnis über sehr wichtige Fragen zu entscheiden such und sich gar bis zum Verzicht auf gewisse Forderungen oder zur Einstellung des Streiks versteigt. Das System der Befehle und der Geheimdiplomatie muss aus dem Umgang der Streikleitungen ausgemerzt werden, deren Rolle und Bedeutung nur wachsen wird, insofern die Streikleitungen unter der Kontrolle der Massen stehen und mit ihnen zusammen über alle wichtigen Fragen des Streikkampfes entscheiden. Die Kontrolle der Tätigkeit der Streikleitungen durch die Massen und die Fühlung der Streikleitung mit den Massen schließt natürlich nicht aus, dass die Streikleitung erforderlichenfalls entsprechend der Situation rasch selbständige Beschlüsse fasst und den Massen über ihre Handlung Bericht erstattet. In dieser Beziehung müssen die Lehren der letzten Streiks sorgfältig studiert und alle Fälle einer strengen Kritik unterzogen werden, wo die Streikleitungen ins Kommandieren verfielen.



V. Die Wechselbeziehungen

zwischen den Streikleitungen und dem reformistischen Gewerkschaftsapparat

Entweder die Reformisten ernennen selbst Streikleitungen, oder sie versucht ihre Beteiligung an denselben durchzusetzen. Die in Lodz gemachten Erfahrungen zeigen, dass die Zulassung von Vertretern reformistischer Verbände in die Streikleitungen den Anfang der Niederlage bedeutet. Deshalb ist es notwendig, ganz besonders darauf zu achten, dass die Streikleitungen vor der Beeinflussung durch die Sozialdemokratie und die reformistische Gewerkschaftsbürokratie geschützt werden, wobei man ganz entschieden dagegen ankämpfen muss, dass offizielle Vertreter der reformistischen Verbände in die Streikleitungen kooptiert werden. Man soll überhaupt keine offiziellen Vertreter der reformistischen Verbände in die Streikleitungen aufnehmen. Allen Versuchen der Reformisten, in die Streikleitungen einzudringen, müssen die Anhänger der RGI, die Forderung entgegenstellen, dass sämtliche Mitglieder der Streikleitung durch die gesamte organisierte UND unorganisierte Arbeiterschaft GEWÄHLT werden. Ebenso müssen die Versuche der Reformisten, die Wahl der Streikleitungen nur von Verbandsmitgliedern vornehmen zu lassen, bekämpft werden. Wird der Streik formal von einem reformistischen Verband geleitet, so kann man einen oder zwei Vertreter desselben mit beratender Stimme zulassen, damit sie Bericht darüber erstatten, was der Verbandsvorstand vornimmt. Alle Versuche, während eines Streiks den Kampf gegen die Gewerkschaftsbürokratie zu mildern unter dem Vorwand, dass sie an der Spitze des Streiks stehe, müssen auf das Entschiedenste zurückgewiesen werden. Gerade während der Streikbewegung gilt es, die Energien zu verzehnfachen, um die reformistischen Gewerkschaftsbürokraten, ihre Methoden der Streikabwürgung, ihre Schiebungen, ihre Techtelmechtel mit der Bourgeoisie und dem bürgerlichen Staat usw. zu entlarven. Diese Entlarvung soll nicht allein durch die Parteipresse, sondern muss auch ganz besonders durch die Streikleitungen erfolgen, denn nur dadurch, dass dem reformistisch beherrschten Gewerkschaftsapparat die Streikleitung entgegengestellt wird, kann man eine wirklich selbständige Leitung der Wirtschaftskämpfe durchsetzen. Die geringste ideologische und organisatorische Abhängigkeit der Streikleitung vom reformistischen Gewerkschaftsapparat, eine Schwächung des Kampfes gegen diesen, kann zur Niederlage des Streiks und zum Sinken der Autorität der Gewerkschaftsopposition und der auf ihre Initiative hin entstandenen Streikleitungen führen.



VI. Das Problem der Einheitsfront zu Zeiten von Streiks und Aussperrungen

Die Erregung unter den Massen infolge eines drohenden Konfliktes ist günstig für die Schaffung der Einheitsfront von unten. Vor Ausbruch des Konfliktes gilt es, von der Agitation und Propaganda für die Einheitsfront zu organisatorischen Schritten überzugehen. In dieser Richtung ist folgendes erforderlich:

1. In sämtliche wählbare Organe sind die besten und kampferprobtesten Arbeiter aller Richtungen: kommunistische, sozialdemokratische, christliche, unorganisierte usw. hineinzuwählen.

2. Die Streikleitungen müssen einzelne Arbeitergruppen mit der Berichterstattung über die geleistete Arbeit betrauen, um auf diese Weise das Berichterstattungsmonopol unter den Christen den christlichen Verbänden, unter den sozialdemokratischen Arbeitern der Sozialdemokratie zu entreißen.

3. Den parteilosen und reformistischen Arbeitern sollen allerlei Funktionen in der Streikleitung übertragen werden, damit sie zur unmittelbaren Mitarbeit und zur direkten Beteiligung am Kampf herangezogen werden.

4. Wenn parteilose, christliche, sozialdemokratische Arbeiter über die Tätigkeit der Streikleitungen Bericht erstatten, so müssen sie es durchsetzen, dass diese Berichte in ihrer Presse veröffentlicht werden.

5. Von ganz besonderem Nutzen ist zu Zeiten von Streiks und Aussperrungen die Einberufung spezieller, breiter Konferenzen der organisierten und unorganisierten Arbeiter, Arbeiterinnen und Jugendlichen, damit die besten und tatkräftigsten unter ihnen mit leitenden Kampfposten betraut werden.

6. Ganz besondere Aufmerksamkeit ist zu Zeiten von Streiks und Aussperrungen darauf zu richten, dass alle Spitzenkombinationen und die Bildung einer Einheitsfront von oben zwischen den Führern bekämpft werden.

7. Besonders scharfe Verurteilung verdienen die Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale, die mit den reformistischen Führern Abmachungen zur gegenseitigen Schonung während des Streiks treffen, auf gegenseitige Kritik verzichten und dgl. Das ist keine Einheitsfront, sondern eine arge Karrikatur der Einheitsfront.

8. Die Einheitsfront während eines Streiks oder einer Aussperrung hat zur Aufgabe die Steigerung der Kampffähigkeit der Massen, aber nicht die gegenseitige Versicherung der Führer. Aus diesem Grunde muss unser Kurs auf eine enge Einheitsfront mit den Arbeitern der reformistischen Organisationen Hand in Hand gehen mit einem erbitterten Kampf gegen die reformistischen Gewerkschaftsbonzen.

9. Eine der wirksamsten Methoden der Einheitsfront, die die Reihen der Kämpfenden zusammenschmiedet, ist die Organisierung von Massendemonstrationen und Straßenaufzügen unter Leitung gewählter Kampforgane gegen die bürgerliche und sozialdemokratische Polizei, gegen die bürgerlichen und sozialdemokratischen Kommunalbehörden usw.

10. Die während des Kampfes dazu ausgenutzt werden, die Anhänger der RGI mit den Massen durch feste Bande zu verknüpfen. Die Formen, in denen dies geschieht, richten sich nach dem betreffenden Land, nach dem Industriezweig, den Kräfteverhältnissen in der Arbeiterklasse usw. Die erzielten Erfolge müssen unbedingt ausgenutzt und verankert werden.



VII. Streikposten und Selbstschutzkolonnen

Der Erfolg eines Streiks hängt in vielen Fällen davon ab, wie die Streikposten organisiert sind und ob es die Streikenden verstehen, die Anschläge der käuflichen Unternehmerbanden oder der Streikbrecher abzuwehren und zurückzuschlagen. Im Zusammenhang damit gewinnt die Organisierung von Streikposten und Selbstschutzformationen eine besonders große Bedeutung. Auf diesem Gebiet haben die Kampforgane folgendes zu tun:

1. Unbedingt sollen als Streikposten Arbeiter aller Richtungen herangezogen und die Streikpostenkolonnen so organisiert werden, dass zusammen mit erprobten Kampfgenossen auch unorganisierte Arbeiter, sozialdemokratische und Christen usw. zusammenwirken.

2. Die Streikposten sind sorgfältig auszuwählen; man soll für diesen Zweck nicht nur Jugendliche, sondern auch ältere Arbeiter und Arbeiterinnen, besonders auch Arbeiterfrauen, verwenden.

3. Zum Streikpostenstehen sind die breitesten Arbeiterkreise heranzuziehen (Massenposten), um eine möglichst große Anzahl von Arbeitern aktiv während des Streiks zu beschäftigen.

4. Von großem Nutzen ist es, besondere Demonstrationen von Arbeiterfrauen und Arbeiterkindern gegen die Streikbrecher und die sie verteidigenden Polizeiaufgebote zu veranstalten.

5. Das Streikpostenstehen soll Pflicht aller Streikenden sein, kein Arbeiter darf sich der Ausübung bestimmter Pflichten während des Konflikts entziehen.

6. In den Ländern des Faschismus und weißen Terrors (Italien, Polen, Rumänien, Bulgarien) oder in den Ländern mit einem durch die Unternehmer und Reformisten organisierten Streikbrechertum, muss man vom ersten Moment des Streiks an die Selbstschutzformationen gründen und zu diesen Formationen die aktivsten Arbeiterkader heranziehen.

7. Aus den Zusammenstößen zwischen den Streikposten und den Organen der Staatsgewalt sollen nicht nur die Streikposten, sondern die Gesamtmasse der Streikenden über die elementare Wahrheit der Koalition zwischen dem Unternehmertum und dem bürgerlichen Staat belehrt werden.

8. Besonders erwünscht ist es, für die Streikposten und Selbstschutzformationen Mitglieder der Sportorganisationen und der proletarischen Frauenvereine zu benutzen, die während eines Streiks eine sehr große Rolle spielen können.

9. Besondere Aufmerksamkeit muss auf den Kampf gegen die verschiedenen polizeilichen und Privatspitzelorganisationen (Werkpolizei, Pinkerton, Werkspitzel, Feuerwehr, als Bestandteil der Werkpolizei, Verräter in den eigenen Reihen usw.) gelenkt werden.



VIII. „Wilde“ oder „inoffizielle“ Streiks

Die Politik des internationalen Reformismus, die auf eine „friedliche“ Beteiligung aller Wirtschaftskämpfe durch das Zwangsschlichtungsverfahren, eine systematische Sabotage und Abwürgung der Forderungen der Arbeiterschaft durch den reformistischen Verbandsapparat gerichtet ist, stellt vor die breiten Arbeitermassen das Problem des Kampfes um die elementarsten Forderungen, ohne und gegen den Willen der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie. Die sogenannten „wilden“ und inoffiziellen Streiks, d.h., solche Streiks, die von den Arbeitern ohne Sanktion und gegen den Willen der offiziellen Zentralorgane des betreffenden Verbandes proklamiert werden, Streiks, die früher hin und wieder die Gewerkschaftsregeln durchbrachen, bilden jetzt den einzigen Ausweg, um der zunehmenden Ausbeutung und dem wachsenden Druck seitens der Unternehmer enzgegenzuwirken. Streiks ohne Sanktionen und gegen den Willen des Verbandes werden immer häufiger. Sie wurden bereits zu einer Massenerscheinung und werden es in der Zukunft noch mehr werden. Hierzu ergibt sich die Aufgabe, die sogenannten „wilden“ und „inoffiziellen“ Streiks anzuerkennen, während die Gewerkschaftsbürokratie zum Verzicht auf Streikkämpfe hinsteuert. Streiks, die ohne und gegen den Willen des reformistischen Verbandes verlaufen, besonders in denjenigen Ländern, wo die Gewerkschaftsbürokratie noch stark ist (Deutschland, England), erfordern ganz besonders ernste Vorbereitungen und Anspannung der Kräfte seitens der Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale. Vor allem gilt es, in den eigenen Reihen die Unterschätzung der Kräfte des reformistischen Gewerkschaftsapparates und die Furcht vor selbigen Aktionen der Arbeiterschaft ohne und gegen den Willen der Gewerkschaftsbürokratie zu überwinden. Tagein, tagaus muss man Agitation und Propaganda unter den Massen betreiben und dabei betonen, dass die Arbeiter von dem reformistischen Verbandsapparat nichts zu erwarten haben, da dieser nur ein Hemmschuh im Kampf der Arbeiter um ihre elementarsten Forderungen ist. Bricht ein sogenannter wilder oder inoffizieller Streik aus, so ist es ganz besonders notwendig, die Initiative und die Tatkraft der Massen zu wecken, denn nur, wenn man die breiten Massen zu aktiver Beteiligung am Kampf anspornt, gelingt es, die Einheitsfront der Unternehmer, des bürgerlichen Staates und der reformistischen Bürokratie zu durchbrechen.



IX. Erweiterung des Kampfgebietes, Problem der Reserven

In der gegenwärtigen Situation, die durch Verkrustung und Konzentration des Kapitals gekennzeichnet ist, wird die Arbeiterklasse bei jedem Wirtschaftskonflikt vor das Problem der Reserven gestellt. Angesichts der machtvollen Unternehmerorganisationen, die über unerschöpfliche Geldquellen verfügen und sich auf die ganze Macht des bürgerlichen Staates und der reformistischen Organisationen stützen, erlangt jeder größere Wirtschaftskonflikt politische Bedeutung für die gesamte Arbeiterklasse und daher gewinnt das Problem der Kampferweiterung der heranziehung neuer Schichten und der Heranholung von Reserven besondere Bedeutung für den Verlauf und den Ausgang des begonnenen Kampfes.

Die Kampferweiterung kann sich vollziehen auf vertikaler und horizontaler Linie, d.h. durch Erfassung aller Arbeiter oder eines beträchtlichen Teiles der im betreffenden und in den übrigen Industriezweigen Beschäftigten oder aber der Arbeiterschaft ganzer Bezirke. In dem einen und anderen Falle ist die Erweiterung des Kampfes nur nach einer geleisteten ernsten Vorarbeit und intensiver Arbeit unter diesen Arbeiterkategorien vor Ausbruch des Kampfes und ganz besonders in dessen Verlauf möglich. Die Frage, welche Arbeiterkategorie zur Hilfe herangeholt werden soll, hängt davon ab, wo die vom Konflikt betroffenen Unternehmer am empfindlichsten sind. Vor allem sind zu berücksichtigen alle mit dem gegebenen Trust zusammenhängenden und ihm unterstellten Betriebe, ferner ist das Augenmerk auf diejenigen Betriebe zu richten, die die Rohstoffe liefern oder die erzeugten Produkte verarbeiten. Es ist damit zu rechnen, dass die Unternehmer gegebenenfalls die Lieferungsverträge anderweitig vergeben und sich fehlende Waren aus anderen Gebieten oder aus dem Ausland kommen lassen können u.a.m. Eine sehr wirksame Waffe ist die Heranziehung des Land- und Seeverkehrs, sowie die gemeinnützigen Betriebe, wie Elektrizitäts- und Gaswerke usw., zur Hilfeleistung.

In allen diesen Fällen muss die allgemeine Konstellation in Betracht gezogen werden und nicht unser Wunsch, den Kampf zu erweitern, sondern auch die Grenzen unseres Einflusses, der Vorbereitungsgrad der Massen und die bei diesen Massen vorhandene Bereitschaft, sich dem Kampf aus Solidarität anzuschließen. Daraus folgt, dass man während der Kampfvorbereitungen und im Verlaufe des Kampfes dessen eingedenk sein muss, dass die Isolierung der Bewegung von den breiten Proletariermassen der übrigen Industriezweige ernsthafte Gefahren in sich birgt.



X. Fortsetzung des Kampfes nach seiner Abwürgung durch die Reformisten

Die Erfahrungen der letzten Streiks in Nordfrankreich, im Ruhrgebiet, in Lodz usw. haben gezeigt, wenn die Reformisten es nicht fertiggebracht haben, die Bewegung gleich zu Beginn zu erdrosseln, sie im Verlauf des Kampfes den geeigneten Augenblick für Streikbrechertum aussuchen, um den kämpfenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Die Reformisten bedienen sich ihres Einflusses auf gewisse Arbeiterschichten, denn die passivsten Elemente werden stets denen Folge leisten, die - zumal unter der Flagge des Sozialismus - die Einstellung des Kampfes vorschlagen und eine Massenbewegung nach der anderen, systematisch abwürgen. Dabei wird die Bewegung in der Regel durch Verhandlungen hinter den Kulissen ohne Wissen und Willen der Arbeiterschaft erdrosselt. Aus diesem Grunde müssen die Anhänger der RGI vor dem Konflikt und während desselben erbittert darum kämpfen, dass über den Abbruch des Kampfes in den Vollversammlungen der Belegschaft entschieden wird. Bei allen letzten Streiks führte die Streikbrechertaktik der Reformisten dazu, dass die Mehrheit der Belegschaft die Arbeit wieder aufnahm, und von den Anhängern der Roten Gewerkschaftsinternationele tauchte in ihrer ganzen Größe die Frage auf, ob man den Kampf in denjenigen Betrieben und Bezirken fortsetzen könnte, und müsste, wo die Anhänger der RGI, einen entscheidenden Einfluss ausüben.

Die Fortsetzung des Kampfes in den Betrieben von Widsew in Lodz und in Nordfrankreich war sowohl politisch als auch taktisch vollkommen richtig.

Natürlich wird der Kampf unter diesen Umständen äußerst schwierig, denn die Kräfte der Arbeiterschaft sind bereits gebrochen und der durch die Streikbrechertaktik der Soziakldemokratie und der Amsterdamer Gewerkschaft bewirkte Rückzug übt eine demoralisierende Wirkung auf die Kämpfenden aus. Nichtsdestoweniger ist eine Fortsetzung des Kampfes in gewissen Fällen absolut notwendig, sonst würden alle Streiks auch in der Zukunft infolge der systematischen Streikbrechertaktik der Reformisten abgewürgt werden. Eine Fortsetzung des Kampfes nach Abfall der Mehrheit der Arbeiterschaft erfordert ungeheure Ausdauer, besondere Geschlossenheit, hochentwickeltes Zielbewusstsein und eine kolossale Energie seitens aller auf ihren Positionen verharrenden Arbeiter ohne Ausnahme. Denn nur unter diesen Bedingungen kann man sich nicht nur halten, sondern auch diese Teilschlacht gewinnen. Aus dem Umstand, dass mehrere solche Streiks (der bei Widsew in Lodz usw.) eine Niederlage erlitten haben, darf man nicht den Schluss ziehen, dass diese Kampfmethode falsch ist, sondern daraus ist zu folgern, dass die Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale in ähnlichen Fällen ihre Bemühungen vermehren müssen, um die Massen im ganzen Lande zu organisieren und zu mobilisieren, damit den in einem Teilabschnitt der sozialen Front kämpfenden Arbeitern geholfen wird.



XI. Wie kann die Abwürgung des Kampfes verhindert werden?

Die systematische Streikbrechertaktik des reformistischen Gewerkschaftsapparates wirft die Frage auf, wie die Abwürgung des Kampfes verhindert werden kann, in ihrem ganzen Umfang auf. Hier stehen den Anhängern der RGI langwierige besondere Aufgaben bevor. Die Arbeitermassen können nur dann vor der Abwürgung der Bewegung voll geschützt werden, wenn der reformistische Einfluss auf die Massen gänzlich ausgemerzt ist. Je mehr der Klassenkampf sich zuspitzt, desto rücksichtsloser müssen wir die reformistischen Agenten des Kapitals in der Arbeiterschaft bekämpfen. Die Erfüllung dieser Aufgaben wird lange Zeit angestrengter organisatorisch-politischer, agitatorisch-politischer und agitatorisch-propagandistischer Arbeit zum Zusammenschluss der breiten Massen auf dem Boden des Klassenkampfes erfordern. Die Zeit hängt hier von unserer Tatkraft, Konsequenz, Beharrlichkeit, von der größten Ausdauer und Elastizität und was besonders wichtig ist, vom Tempo der Erweiterung unseres politischen Einflusses ab. Zur Durchführung dieser langwierigen Aufgaben ist die Richtschnur, in allen Einzelheiten ausgearbeitet, von den Kongressen der Komintern und der RGI gegeben.

Anders verhält es sich mit den besonderen Aufgaben, die den RGI-Anhängern unter den gegebenen konkreten Verhältnissen in der gegenwärtigen Periode des Anwachsens der wirtschaftlichen Kämpfe erstehen. Hier wird eine Reihe konkreter Aufgaben gestellt, deren systematische Durchführung die Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des gegebenen Kampfes im gegebenen Frontabschnitt ist.

Der Erfolg des Kampfes macht folgendes erforderlich:

1. Der Kampf gegen alle Bundesgenossen des Kapitals muss verschärft werden, wobei die Arbeiterschaft vor Ausbruch und ganz besonders während des Konflikts gewarnt werden muss, dass der Feind in ihren eigenen Reihen steht.

2. Bei der Wahl der Aussperrungsausschüsse, Streikleitungen und sonstigen Kampforgane sind alle Personen, die mit der Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbürokratie zusammenhängen, als Streikbbrecher abzulehnen.

3. Es ist danach zu streben, dass in die Kampfleitungen nur diejenigen gewählt werden, die bereits bewiesen haben, dass sie die Sache der Arbeiterklasse verfechten.

4. Während des Konflikts muss der Kampf gegen das Zwangsschlichtungswesen und andere bürgerlich-reformistische Methoden der Abwürgung des Kampfes verzehnfacht werden.

5. Es muss systematisch das Vertrauen zum reformistischen Gewerkschaftsapparat und seiner Taktik der Klassengemeinschaft untergraben werden.

6. Im Verlauf des Streiks ist auf jeden verdächtigen Schritt der reformistischen Gewerkschaftsführer zu reagieren, und zwar nicht nur in der Presse, sondern hauptsächlich in den Streikversammlungen durch Annahme von Resolutionen, die das Kapitulantentum, den Schacher hinter den Kulissen und das Streikbrechertum verurteilen.

7. Es ist ein entschlossener Kampf dagegen zu führen, dass die Gewerkschaftsorgane (Vorstand, Delegiertenversammlung usw.) eigenmächtig die endgültige Entscheidung über den Kampfabbruch treffen. Diese Fragen sind durch sämtliche Arbeiter, organisierte wie unorganisierte, sowie durch die von der gesamten Masse gewählten Kampforgane zu entscheiden. Es ist nicht zu vergessen, dass das organisierte Streikbrechertum nur durch eine festgefügte und geschlossene Organisation überwunden werden kann. Daher ist es vor dem Kampf und ganz besonders während dessen Verlauf notwendig, die Fraktionen respektive die revolutionären Gewerkschaften zu festigen, die Gewerkschaftsopposition zu erweitern und zu stärken, indem wir unseren wachsenden politischen Einfluss Schritt für Schritt organisatorisch festigen. Gerade in Zeiten großér Kämpfe müssen alle Organe der Partei, der Gewerkschaftsopposition und der reolutionären Verbände mit der größten Intensität arbeiten und immer neue Arbeiterschichten in den aktiven Kampf gegen das reformistische Streikbrechertum hineinziehen.

Somit wird nur eine zähe, systematische, angestrengte Arbeit an der Festigung und am Zusammenschluss unserer Reihen uns die Möglichkeit gewähren, das Streikbrechertum zu brechen und einen glücklichen Abschluss des Konfliktes entgegen der Einheitsfront der Unternehmer, des bürgerlichen Staates und des reformistischen Verbandsapparates herbeizuführen.



XII. Streikkämpfe in Ländern mit gespaltener Gewerkschaftsbewegung

Die revolutionären Verbände in Ländern mit einer gespaltenen Gewerkschaftsbewegung (Frankreich, Tschechoslowakei, Rumänien, Griechenland, Japan, usw.) wenden zwar die internationalen politischen und taktischen Erfahrungen in den ökonomischen Kämpfen an, haben jedoch eine ganze Reihe spezifischer Aufgaben, die ganz besonders akut im Moment einer Massenbewegung auftreten. Wenn in Ländern wie Deutschland und England der Kampf um die Führung der Massen sich zwischen dem offiziellen Organ der Gewerkschaft und der Opposition abspielt, so geht in Ländern mit gespaltener Gewerkschaftsbewegung der Kampf um die Beeinflusssung der Massen und um die Leitung der Bewegung zwischen zwei Organisationen. In einer solchen Situation ist es eine der wichtigsten Aufgaben der revolutionären Verbände, jeden Wirtschaftskampf auszunutzen, um die eigenen Positionen zu stärken durch Erweiterung des Rahmens der revolutionären Verbände, indem neue Mitglieder aus den Unorganisierten auf Kosten des reformistischen Verbandes gewonnen werden: während des Kampfes und unmittelbar danach ist alles zu tun, um die parallele reformistische Organisation dadurch zu liquidieren, dass alle ihre Mitglieder oder deren erdrückende Mehrheit in die Reihen der revolutionären Verbände überführt werden. (Siehe Resolution des IV. Kongresses der RGI zum Punkt der Tagesordnung). In dieser Beziehung verdient ernstes Studium und Nachahmung der in Bordeaux während des Hafenarbeiterstreiks gemachte Versuch, wo der reformistische Verband vollkommen aufgerieben wurde, weil seine Mitglieder in den unitarischen Verband übertraten.

Was die reformistischen Verbände in Fällen betrifft, wo während des Streiks oder unmittelbar nach ihm nur ein Teil der Mitglieder von uns erobert worden ist, so müssen Maßnahmen zur Festigung des politischen und organisatorischen Einflusses innerhalb dieser Verbände getroffen werden, um die Mehrheit der Mitglieder zu gewinnen und hierdurch die Vorbedingung für die Zerschlagung auch dieser reformistischen Organisationen zu schaffen.

Andererseits verlangt das Vorhandensein zweier Paralellorganisationen vom revolutionären Verband ganz besonders Kenntnis der Stimmung der Massen sowie einen Kampf gegen die Damagogie der reformistischen Führer, die bereit sind, Kampfbereitschaft zu heucheln, um nicht ihren Einfluss auf die Mitgliedermassen einzubüßen. In diesen Ländern ist es für die Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale ganz besonders gefährlich, die Initiative ihren Händen entgleiten zu lassen, auf die linken Phrasen der reformistischen Phrasen hereinzufallen und zu glauben, dass die Reformisten tatsächlich Lust und Fähigkeit hätten, gegen die Bourgeoisie zu kämpfen. Dies wäre der sicherste Weg zur Zertrümmerung der revolutionären Gewerkschaftsbewegung. Führt der dem reformistischen Zentrum angehörende Lokalverband tatsächlich einen Kampf gegen die Unternehmer, so ist es selbstverständlich Aufgabe des revolutionären Verbandes, mit ihm eine Einheitsfront zu schließen, aber es müssen Maßnahmen gegen etwaige Stimmungen des Kapitulierens getroffen werden, besonders in entscheidenden Momenten des Kampfes. Der revolutionäre Verband muss die ganze Masse der Arbeiterschaft, und zwar sowohl in den verschiedenen Verbänden organisierten, als auch besonders der unorganisierten, mit sich reißen und durch die Praxis beweisen, dass nur der revolutionäre Verband konsequent für die Interessen der Arbeitermassen eintritt. Darum ist es notwendig, dass die revolutionäre Organisation sich auf die gewählten Streikkomitees stützt und die engste Zusammenarbeit mit ihnen herbeiführt. Nur eine richtige Politik bei der Leitung von ökonomischen Kämpfen vermag die Autorität der revolutionären Verbände in den Augen der Massen zu heben, sie politisch und organisatorisch zu festigen und in Organisationen zu verwandeln, die die Macht der Arbeiterklasse erfassen.



XIII. Streikkämpfe in den Ländern des Faschismus und des weißen Terrors

In den Ländern des Faschismus und des weißen Terrors brechen gegenwärtig die Streiks in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle spontan aus. Dies bedeutet, dass die Anhänger der RGI es in diesen Ländern nicht verstanden haben, so in die Betriebe einzudringen, um trotz der Repressalien auf den Beginn eines Streiks, auf die Forderungen und auf den Ausgang des Streikkampfes einen Einfluss auszuüben. Hieraus folgt, dass für die Länder von diesem Typus die Arbeit unmittelbar in den Betrieben besonders wichtig ist, da man nur aus diesen ökonomische und politische Ausfälle machen kann. In Ländern, wo allein bereits die Aufstellung ökonomischer Forderungen als Verbrechen geahndet wird, besteht trotzdem die Aufgabe darin, zur Ausarbeitung ökonomischer Forderungen möglichst große Massen der Arbeiter heranzuziehen. Die Ausarbeitung von Forderungen soll in den Fabrikabteilungen erfolgen, die Ünberreichung der Forderungen durch eine zahlreiche Abordnung von 100 bis 200 Personen. Dies darf keinesfalls als feste obligatorische einheitliche Regel für alle Länder aufgefasst werden. Je nach den Verhältnissen in den einzelnen Ländern des weißen Terrors und des Faschismus muss man entsprechende Korrekturen vornehmen, wobei man unter jeden Verhältnissen die gewählten Abordnungen so zusammenstellen muss, dass man nicht den Repressalien und dem Terror den ganzen aktiven Gewerkschaftskader aussetzt. Delegierten wahlen kann und muss man aus Anlass jeder sogar kleinsten Frage, welche die Interessen der Arbeiter unmittelbar betrifft, vornehmen. In diesen Ländern ist es ganz besonders wichtig, eine tüchtige Streikleitung auszuwählen. Wenn die Wahlen zu Streikleitungen vorgenommen werden, muss man die etwaigen Verhältnisse und Repressalien im Auge behalten und gleichzeitig aus den Personen der großen Streikleitung eine kleine leitende Gruppe aussondern, die im Falle von Verhaftungen und Verfolgungen die Leitung des Streiks fortsetzen könnte. In diesen Ländern besitzt besonders große Bedeutung die Information und die Verbindung, hierfür braucht man jedoch einen illegalen Apparat. Von großer Bedeutung ist in diesen Ländern der unmittelbare Schutz der Streikenden vor faschistischen Banden, und zu diesem Zweck sind besondere Selbstschutz organisationen zu organisieren. Die Hauptsache ist in diesen Ländern, während eines jeden Streiks hartnäckig danach zu streben, dass man offen vorgeht und den geringsten Umstand dazu benutzt, um während des Streiks aus dem unterirdischen Versteck hervorzutreten.

Angesichts der immer schnelleren Faschisierung der faschistischen Diktatur stellt jeder Wirtschaftskampf vor die Gewerkschaftsbewegung und vor die Massen die Notwendigkeit immer schärferen Kampfes gegen die Agenten des Faschismus in der Gewerkschaftsbewegung, die Notwendigkeit, dem ganzen faschistischen Gewerkschaftssystem revolutionäre Gewerkschaftsorganisationen gegenüberzustellen. So steht in Polen und Ungarn die Aufgabe der Schaffung revolutionärer Gewerkschaften, in Bulgarien und Rumänien ihre Stärkung und ihr Ausbau zu Massenorganisationen, in Italien und Jugoslawien die Aufgabe der Organisierung der Arbeiter in illegalen revolutionären Gewerkschaften überall in engster Verbindung mit dem Kampfe für die offene Existenz der proletarischen Klassengewerkschaften, gegen den Terror der Regierung und ihrer Agenten in der Gewerkschaftsbewegung, gegen die faschistische Diktatur.



XIV. Methoden zur Politisierung der Streikkämpfe

Unter den Verhältnissen der Kapitalkonzentration und der Tendenz der Bourgeoisie und der Reformisten, den Streikkampf durch das Zwangsschlichtungswesen zu ersetzen, gewinnt jeder Streik einen politischen Charakter. Dies bedeutet aber noch nicht, dass alle Arbeiter die politische, d.h. klassenmäßige Bedeutung der sich abspielenden Wirtschaftskämpfe begreifen. Unter diesen Umständen ist es Aufgabe der RGI-Anhänger, den Massen an Hand der Erfahrungen der täglichen Kämpfe Politik beizubringen. Das heißt, es ist notwendig - ausgehend von den aufgestellten Forderungen und ohne sie je aus den Augen zu verlieren - auf einer jeden gegebenen Etappe des Kampfes Losungen zu proklamieren, die den Kampf auf eine höhere Stufe heben. Streiks zu politischen Streiks ausgestalten, heißt nicht, von Politik an sich reden, sondern die unmittelbaren Forderungen mit solchen allgemeiner Natur in Zusammenhang bringen. So erfahren die Arbeiter in den meisten Streiks Repressalien, erfahren den Schutz der Streikbrecher durch Behörden, lernen das Zwangsschlichtungswesen kennen isw. Es ist somit klar, dass diese Fragen bei jedem Streik zu Kampffragen werden müssen. Es ist die Hauptsache, dass jeder Arbeiter aus den Erfahrungen des Kampfes lernt, dass der Staat die Unternehmer gegen die Arbeiter schützt, dass die „über den Klassen stehende“ Justiz, Presse, Kirche usw. im Dienste der Unternehmer steht, und dass jeder größere Wirtschaftskonflikt das Problem des Kampfes von Klasse gegen Klasse aufrollt. Es ist von Wichtigkeit, nicht allzuviel Losungen auf einmal zu proklamieren und dessen eingedenk zu sein, dass nur kene politische Parole am meisten nutzt, die mit dem Verlauf und den Begleitumständen des ökonomischen Konflikts eng verknüpft ist.

Dabei können die politischen Kampflosungen (Forderungen), die mit der betreffenden Massenaktion des Proletariats verknüpft sind, in ihrer Gesamtheit die einheitliche politische Plattform bilden, auf der sich die Arbeiter aller politischen Richtungen, auch die parteilosen, vereinigen.

Die Belebung der Massen während des Streiks muss man ausnutzen für die Verstärkung der Kampagne gegen die Kriegsvorbereitungen wider die Sowjetunion. Jeder Arbeiter muss die enge Verbindung zwischen den Vorbereitungen zum Krieg gegen den proletarischen Staat und die Verstärkung aller Mittel der Ausbeutung des Druckes und des Terrors, mit dem die Kapitalisten im Namen der kapitalistischen Stabilisierung die Arbeiter unterdrücken, verstehen.

Während des Streiks lenkt die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung die Aufmerksamkeit speziell auf die Mobilisierung der Massen in den Betrieben, muss unter ihnen die Losung des Generalstreiks, der Massenstreiks und der Einstellung der Transporte während des Krieges popularisieren. In Verbindung mit dem Kampf gegen den imperialistischen Krieg muss man gegen alle Formen der Militarisierung und der militärischen Organisationen in den Betrieben kämpfen.



XV. Formen und Methoden der Mobilisierung der Gewerkschaftsopposition im ganzen Lande

Die Erfahrungen der letzten Streiks in Deutschland, Frankreich, Polen haben gezeigt, dass die Lokalorganisationen zu Zeiten des Streiks nicht die genügende Hilfe und Unterstützung seitens der ganzen Partei, der revolutionären Gewerkschaftszentrale und der Gewerkschaftsopposition erfahren. Indes ist eine aktive Führung eines ernsten Wirtschaftskampfes seitens der revolutionären Verbände und der Gewerkschaftsopposition nur in dem Fall möglich, wenn es uns gelingt, alle zu unserer Verfügung stehenden Kräfte zu mobilisieren. Deshalb besteht die wichtigste Aufgabe der revolutionären Verbände und der Opposition in folgendem:

1. Sobald in irgendeinem Industriezweig ein Konflikt heranreift, sind die besten Kräfte nach dem Schauplatz des Kampfes zu dirigieren.

2. Die gesamte Agitation und Propaganda ist entsprechend der Wichtigkeit und der Bedeutung des Konfliktes einzustellen.

3. In der Presse ist den Kämpfen ein gebührender Platz einzuräumen, die Teilnehmer des Streiks selbst müssen als Mitarbeiter herangezogen werden.

4. Die gesamte Arbeit der revolutionären Verbände und der Gewerkschaftsopposition müssen in den Dienst des Streiks gestellt werden. Die ganze laufende Arbeit muss so umgestellt werden, dass sie den Streikkampf möglichst ausgiebig unterstützt.

5. Die Tätigkeit eines jeden Genossen, dem ein bestimmter Arbeitszweig übertragen ist, muss streng kontrolliert werden.

6. Ganz besonders ist darauf zu achten, dass zu Zeiten von Streikkämpfen neue Kräfte aus den Kreisen der Arbeiter, Arbeiterinnen und Jungarbeiter des betreffenden Industriezweiges zu leitender Arbeit herangezogen werden. Hier kann man Hunderte und Tausende von Personen finden, die freiwillig eine gewaltige Arbeit leisten werden.

7. Zwischen dem leitenden Kampforgan und der zentralen Leitung der revolutionären Gewerkschaftsbewegung ist eine rege Verbindung herzustellen.

8. Damit alle Kräfte zur Unterstützung des Kampfes mobilisiert werden, müssen die den Konflikt unmittelbar leitenden Gewerkschafter die Sachlage so, wie sie ist, ohne jede Schönfärberei, vor der Zentralinstanz beleuchten.



XVI. Die Tätigkeit unter den Arbeiterinnen und den Arbeiterfrauen

Angesichts der Rationalisierung der Industrie und der Ausdehnung der Frauenarbeit gewinnt die Heranziehung der Arbeiterinnen zur Beteiligung am Streik besondere Bedeutung. Die Erfahrungen lehren, das die Arbeiterinnen und die Arbeiterfrauen in Streiks und Aussperrungen eine sehr großé Rolle spielen. Deshalb ist folgendes notwendig:

1. Noch während der Vorarbeiten ist auf die Orientierung der Arbeiterinnen und die Aufnahme besonderer Forderungen, die die Interessen der Arbeiterinnen berühren, in die allgemeinen Forderungen besonders zu achten.

2. Während des Streiks sind die Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen zu aktivster Mitarbeit heranzuziehen und mit der Ausübung verschiedener Funktionen auf dem Gebiete der Agitation, der Organisation, der Hilfeleistung usw. zu betrauen, zu welchem Zweck besondere Ausschüsse aus Arbeiterfrauen zu schaffen sind.

3. Besondere fliegende Kolonnen aus Arbeiterinnen müssen für die Bearbeitung der Arbeiterfrauen gebildet werden.

4. Bei der Wahl von Aussperrungsausschüssen bzw. Streikkomitees ist dafür Sorge zu tragen, dass ein bedeutender Prozentsatz von Arbeiterinnen hineingewählt wird; in Betrieben, wo Frauenarbeit überwiegt, muss die Mehrheit der Streikleitungen aus Arbeiterinnen bestehen.

5. In allen Delegationen, die mit anderen Bezirken und Industriezweigen Verbindungen aufrechtzuerhalten haben, müssen auch unbedingt Frauen vetreten sein.

6. Berührt ein Streik oder eine Aussperrung eine bedeutende Anzahl von Arbeiterinnen, so sind besondere Arbeiterinnenkonferenzen einzuberufen zum Zweck der organisierten Vorbereitung der Arbeiterinnen, zu Ausarbeitung von allgemeinen Arbeiterinnenforderungen und zur Aufstellung von Kandidaturen der aktivsten Arbeiterinnen für die Streikleitungen. Dies soll aber keinesfalls die Beteiligung von Arbeiterinnen an gemeinsamen Konferenzen mit den männlichen Kollegen ausschließen.

7. Da bei der Liquidierung eines Konflikts die Abmachungen von den Reformisten sehr häufig auf Kosten der schwächsten Teile des Proletariats (der Arbeiterinnen und Jugendlichen) getroffen werden, so ist ganz besonders beim Schluss eines Konfliktes dafür Sorge zu tragen, dass die Interessen dieser Arbeiterkategorien gewahrt werden.



XVII. Formen und Methoden zur Einreihung der Arbeiterjugend in den aktiven Kampf

Besondere Bedeutung ist zu Zeiten ökonomischer Konflikte dem Schutz der Interessen der Jugend und der Heranziehung der Jugend zum aktiven Kampf zu schenken. Bei der Ausarbeitung von Forderungen sind unbedingt besondere Punkte aufzunehmen, die sich auf die Arbeit der Jugendlichen beziehen, und bei der Wahl von Kampforganen muss die Jugend ebenso wie die erwachsenen Arbeiter berücksichtigt werden. Eine besonders wichtige Rolle vermag die Jugend in Streikposten bei der Herbeiführung von Verbindungen, bei der Kontrolle der Durchführung der vom leitenden Organ gefassten Beschlüsse, bei der Verbreitung von Schriften und Streikkomitees usw. zu spielen. Man muss einen entschiedenden Kampf den sozialdemokratischen Traditionen ansagen, die darin besteht, dass man die Jugendlichen als Kategorie betrachtet, der man keine Aufmerksamkeit zu schenken braucht. Die Anhänger der RGI müssen dessen eingedenk sein, dass davon, in welchem Maße sie die Jungarbeiter zur Beteiligung am Kampf heranzuziehen verstehen, in hohem Grade die Aktivierung der gesamten Bewegung abhängt.

Bei den Streikleitungen empfiehlt es sich, Jugendkommissionen zu besonderen Arbeit unter den Jugendlichen zu bilden, um alle Jungarbeiter und Lehrlinge fest in die Streikfront einzugliedern.



XVIII. Organisierung von Unterstützung

Die Frage der Unterstützung während eines Streiks spielt eine sehr große Rolle. Da die reformistischen Verbände die Bewegung sabotieren und häufig einen entbrannten Streik für „wild“ erklären, um den Streikenden keine Unterstützung zu erweisen, da die Unorganisierten von den Reformisten missachtet und abgestoßen werden und ihnen jegliche Hilfe verweigern, so besteht die Aufgabe der Gewerkschaftsopposition und der Streikleitung darin, eine möglichst große Menge von Mitteln zu sammeln, um den streikenden oder ausgesperrten Arbeitern Hilfe zu leisten.

Zu diesem Zweck ist es notwendig:

1. Vom Verband ist die Auszahlung einer Unterstützung an jeden Streikenden und Ausgesperrten zu verlangen.

2. Vom Verband ist zu verlangen, dass er eine bestimmte Summe für die Unterstützung der Unorganisierten bereitstellt.

3. Es sind spezielle Geldsammlungen unter den Arbeitern des ganzen Landes zu veranstalten, um sowohl die Organisierten als auch die Unorganisierten zu unterstützen.

4. Zu dieser Arbeit ist die Internationale Arbeiterhilfe heranzuziehen, die zu Zeiten ökonomischer Kämpfe als Hilfsorganisation zu fungieren hat. In Ländern mit selbständiger revolutionärer Gewerkschaftsbewegung ist die Unterstützung der Streikenden Aufgabe der revolutionären Verbände. Zur Durchführung dieser Aufgabe soll man auch die lokalen Organisationen der IAH heranziehen.

5. Besondere Beachtung ist der Ausnutzung der Genossenschaften zu Zeiten ökonomischer Konflikte zu widmen; zu diesem Zweck jedoch muss man den Widerstand der Gewerkschaftsbürokratie brechen, welche meinen, dass die Aussperrung bzw. der Streik sie nichts angeht.

6. In den Gemeinden und Landesparlamenten sind Forderungen auf Unterstützung der am Kampf (Aussperrung oder Streiks) beteiligten Arbeiter und ihrer Angehörigen zu stellen. Diese Forderungen müssen durch Delegationen und Demonstrationen der Kämpfenden wirksamst unterstützt werden.



XIX. Informationen und Verbindungen

Eine der wichtigsten Aufgaben während eines Streiks oder einer Aussperrung besteht darin, die gewählten Organe mit sämtlichen am Kampf Beteiligten in Verbindung zu setzen und die gesamte Masse über alle Ereignisse, die den Kampf berühren, auf dem Laufenden zu halten.

Dazu ist notwendig:

1. Regelmäßige Einberufung der Streikkomitees und regelmäßige Berichterstattung über ihre Sitzungen an die Kämpfenden.

2. Schnelle und laufende Berichterstattung in der Presse über den Verlauf des Kampfes und alle wichtigen Vorkommnisse.

3. Herausgabe besonderer Zeitungen oder Bulletins auf der Grundlage der einheitlichen Plattform des Klassenkampfes durch die Streikleitungen. Diese Organe müssen regelmäßig Berichte über den Verlauf des Kampfes, über die Tätigkeit der Kampfleitungen, über die Durchführung der Unterstützungsmaßnahmen usw. bringen.

4. Alles, was die bürgerliche und reformistische Presse über die Kämpfe schreibt, muss sorgfältig verfolgt und in der Arbeiterpresse und im Bulletin der Streikleitung entsprechend beantwortet werden.

5. Für die Bedürfnisse der Information und der Verbindung müssen die Arbeitersportvereine (Vereine der Radfahrer usw.) ausgenützt werden. Sportübungen können und müssen zu Zeiten eines Streiks dazu benutzt werden, um die Verbindung zwischen den Kämpfenden verschiedener Betriebe oder verschiedener Bezirke herzustellen und aufrechtzuerhalten.



XX. Verbindung mit den Bruderorganisationen anderer Länder

Obwohl die großen Kämpfe der Textilarbeiter in Nordfrankreich, in Mönchen-Gladbach und in Lodz fast zu gleicher Zeit stattfanden, gab es keinerlei Verbindung zwischen den Streikenden. Eine derartige Verbindung während dieser Streiks wäre aber von großer Bedeutung gewesen. Aus diesem Grunde ist in Zukunft folgendes zu tun:

1. Herbeiführung der Verbindung mit den Arbeitern anderer Bezirke und Industriezweige durch Wahl besonderer Delegationen.

2. Im Falle größerer Konflikte ist es erwünscht, dass die Streikleitungen auch an die Arbeiter anderer Länder wenden.

3. An die internationale Presse laufende und ausreichende Informationen über den Verlauf des Streiks und über die Methoden des Kampfes senden und sie dort veröffentlichen.

4. Die Rote Gewerkschaftsinternationale und die Komintern über alle Einzelheiten der sich abspielenden Kämpfe systematisch zu informieren.

5. Die reformistischen Verbände und Internationalen wegen ihrer Untätigkeit und Feindseligkeit gegenüber den in Gang befindlichen Kämpfen ständig zu entlarven.





Schlussbemerkung

Die Frage der Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften bleibt in Kraft gemäß den Beschlüssen des IX. Plenums des EKKI, der KI, des IV. Kongresses der RGI und des VI. Kongresses der KI. Da die Fragen der ökonomischen Kämpfe besondere Aufmerksamkeit aller Komparteien, revolutionäre Gewerkschaften und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition auf sich lenken, wird die Kommunistische Internationale und die Rote Gewerkschaftsinternationale ihrerseits besonders aufmerksam alle Wirtschaftskämpfe verfolgen, rechtzeitig auf alles reagieren, was auf diesem Gebiete in jedem Lande vorgeht und sowohl während der Vorbereitung als auch besonders während der Durchführung der Kämpfe nach Kräften Hilfe leisten. Nur bei einem derartigen Zusammenwirken der Komintern, der RGI und ihrer Landessektionen wird es möglich sein, mit größtem Nutzen für die internationale Arbeiterbewegung die ökonomischen Konflikte auszuwerten und die Führung der Massen den Händen des internationalen Reformismus zu entreißen.